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  mc-grundlagen 2/1986

Ulrich Rohde

Basic, Bits und Bytes

Teil 2: Vom Ursprung der Mikrocomputer und vom Programmieren

Im ersten Teil wurden ein paar Ratschläge geboten, die beim Kauf eines Mikrorechners helfen sollten. Wir machen uns keine Illusionen: Kein noch so guter Artikel kann Sie davon befreien, daß Sie im Grunde selbst die Verantwortung tragen, wenn Sie einen Computer kaufen. Wie mit Ihrem Ehepartner müssen Sie auch mit Ihrem Computer auskommen. Deshalb jetzt etwas zur Geschichte der Mikrocomputer. Und wir nehmen an, daß Sie bereits einen Mikrocomputer besitzen.

Die Geschichte der Mikrocomputer ist natürlich nur ein Teilaspekt der Geschichte der Computer. Und wenn man deren Anfänge betrachtet, dann stellt man fest, daß es mehrere voneinander unabhängige Entwicklungen gab, die alle zum modernen Computer führten, dessen jüngstes und allgemein beliebtes Kind der Mikrocomputer ist. Zwei historisch wichtige Anfänge waren die Entwicklung von Konrad Zuse in Deutschland (Bild 1) und die von Turing in Großbritannien.

Die Rechenmaschinen von Konrad Zuse waren wirklich die ersten funktionsfähigen programmierbaren Computer - obwohl Zuses Weg ständig von Geldmangel begleitet war. 1934 begann er als Student Rechenhilfsmittel zu untersuchen, hatte 1936 den Plan zu einem mechanischen Computer fertig, der aber nicht so zuverlässig war, wie es ein professionelles Gerät auch schon damals hätte sein müssen, was sich 1939 herausstellte. 1941 war das Gerät fertiggestellt, das heute allgemein für den ersten universellen programmierbaren Rechner der Welt gehalten wird: die Z 3. Sie benutzte die Relaistechnik und besaß intern 64 Speicher für binär dargestellte Gleitkommazahlen (Bild 2).

Einschub über Computerzahlen

Natürlich muß in dieser kleinen Serie auch ein bißchen über Zahlen gesprochen werden, denn Computer sind Maschinen, die Zahlen verarbeiten. Daß Zahlen in Geräten dargestellt werden können, das kann jedermann im Kilometerzähler seines Autos feststellen. Der zählt die zurückgelegte Strecke mechanisch mit. Dabei dreht ein Mitnehmer, der von der Tachowelle angetrieben wird, die „Einerscheibe", auf der die Ziffern 0 bis 9 angebracht sind, bei jeder vollen Umdrehung des roten Hundertmeterrades um eins weiter, so daß die der Kilometerzahl entsprechende Ziffer passend im Sichtausschnitt des Zählers erscheint. Die Einerscheibe besitzt wiederum einen Mitnehmer, der bei jeder vollen Umdrehung die Zehnerscheibe um eins mitnimmt, nach 9 bei den Einern erscheint also 10. Die Zehnerscheibe nimmt die Hundertscheibe mit, und so weiter...

Wenn Sie sich jetzt vorstellen, daß die Zählscheibe beim Tacho nur jeweils die Ziffern 0 und 1 tragen, der Null ein halber Umfang gehört, der 1 die andere Hälfte und daß das Einerrad beim Weiterdrehen über 1 hinaus nach 0 wieder das Zweierrad mitnimmt, welches selber das (?) Viererrad mitnimmt, welches das Achterrad mitnimmt... dann haben Sie einen Binär-Zähler vor Augen, der mechanisch die Zahlen zur Basis 2, die sogenannten Dualzahlen, abzählt. Binär heißt er deshalb, weil er mit zwei Zuständen, Hälfte 0 und Hälfte l, arbeitet. Die Tabelle 1 zeigt, wie er zählt. Konrad Zuse nahm in seinem Computer Relais zur Zahlen-Darstellung. Relais können ebenfalls zwei Zustände einnehmen, nämlich Ein und Aus. Mit ganzen Batterien von Relais hat Zuse seine Zahlen dargestellt (Bild 3). Die Zahlen in der Tabelle 1 lassen sich eindeutig den Stellungen der einzelnen Relais jeweils einer solchen Batterie zuordnen. Jede zusätzliche Stelle erweitert den Zählbereich auf das Doppelte. Da kann man auch erkennen, daß man nicht beliebig viele und dann auch nicht beliebig große Zahlen in einem Computer darstellen kann, wenn man nur endlich viele Stellen zur Verfügung hat, in denen die binären Zustände (0 oder l physikalisch dargestellt) gespeichert werden können.

Die Gleitkommazahlen

In modernen Mikrocomputern heute sind diese Stellen, die sogenannten Bits, in Gruppen zu 8 oder 16 angeordnet. Es hat sich eingebürgert, eine einzelne Achtergruppe ein Byte zu nennen. Sie sehen anhand der Tabelle l, daß mit einem Byte nur 256 verschiedene Zahlen, nämlich 0 bis 255, dargestellt werden können, mit 16 Bit nur 65 536 (= 216) verschiedene Zahlen. Das sind erschütternd wenig, wenn man bedenkt, daß damit ja nur ein verschwindend geringer Teil der ganzen Zahlen dargestellt ist und von den gebrochenen Zahlen, also den in Dezimalschreibweise darstellbaren Zahlen, noch keine Rede ist. Konrad Zuse hat bei der Konstruktion seines Computers berücksichtigt, daß man mit den binären Mustern in den Relaisgruppen nicht nur ganze Zahlen darstellen will, sondern eben auch die rationalen Zahlen, die die Grundlage allen kaufmännischen und wissenschaftlichen Rechnens bilden. Seine Methode wird noch heute bei den Computern angewandt. Es ist die Gleitkommadarstellung der Zahlen. Es ist bei den meisten Rechnungen so, daß man glücklicherweise nicht hundertprozentig genau rechnen muß. Das ist ein großes Glück, weil die Computer nicht jede Zahl intern darstellen können, sie brauchten dazu unendlich viele Bits. Wenn man aber ein Bitmuster, das durchaus aus mehreren Achtergruppen zusammengesetzt sein kann (32-Bit-Muster sind oft üblich) einteilt in eine Anzahl von Bits, die den sogenannten Exponenten angeben, und in eine Anzahl von Bits, die die Mantisse angeben, dann kann man im Rahmen der unterscheidbaren Bitmuster, das sind bei 64 Bit genau 264 und ungefähr 2 x 1019 verschiedene, sehr große und sehr kleine Zahlen im Rahmen der erforderlichen Genauigkeit darstellen. Dezimal gesprochen handelt es sich um folgendes:

Man habe zum Beispiel nur sechs Stellen zur Verfügung. Man könnte dann 999 999 als die größte darstellbare Zahl nehmen und, wenn man ein Komma benutzt, 0,000001 als die kleinste von Null verschiedene Zahl. Wenn man nun im Rahmen der zur Verfügung stehenden Stellen auf etwas Genauigkeit verzichtet, kann man einen noch viel größeren Zahlenbereich im Computer darstellen. Dazu kann man zum Beispiel von den sechs Stellen zunächst nur vier nehmen und damit die Ziffernfolge der darzustellenden Zahl festlegen. Mit den restlichen beiden Stellen gibt man an, wie oft diese Ziffernfolge noch mit 10 zu multiplizieren ist. Zusätzlich kann man zur Normierung noch vereinbaren, daß man gedanklich immer ein Komma vor den Stellen der Mantisse, wie die Ziffernfolge der darzustellenden Zahl heißt, notiert. Tabelle 2 zeigt Beispiele, an welchen man erkennen kann, daß man jetzt auch ganz große Zahlen und besonders kleine darstellen kann. Diese Art der Zahlendarstellung heißt Gleit-Komma-Darstellung (engl. Floating Point Notation), weil der Exponent im Grunde ein Verschiebemechanismus für das Komma ist.

Wenn ein Computer von seiner Tastatur Zahlen entgegennimmt, dann wandelt er diese intern in seine Version der Gleitkomma-Darstellung um, was oft überraschende Effekte ergibt. Das muß so sein, weil Sie oben gesehen haben, daß ein Computer nur verschwindend wenig Zahlen überhaupt korrekt darstellen kann. Die meisten Zahlen muß er zunächst einmal bei der Eingabe durch die nächstgelegene Maschinenzahl, wie die nächstliegende darstellbare Zahl auch heißt, ersetzen.

Weiter in Geschichte:

Turing-Maschinen

Konrad Zuse hat all das, was oben geschildert wurde, bewundernswert souverän und selbständig erarbeitet. Seine Leistung als Computer-Pionier kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, weil er alles theoretisch und praktisch so durchdrungen hat, daß heute nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch weltweit anerkannt wird, daß er den ersten Computer aufgebaut hat. Wesentlich abstrakter als Zuse hat in England Alan M. Turing über die Computer nachgedacht.

Turing hat sich grundsätzlich überlegt, wie und was Maschinen überhaupt rechnen können. Er hat dafür abstrakte Maschinen konstruiert, die sogenannten Turing-Maschinen, von denen jede zur Lösung eines speziellen Problemes geeignet ist. Kernstück seiner Konstruktion war ein Mechanismus, der das Wesentliche des Programmierens umfaßt -aber auch nicht mehr. Und zwar sind das die sogenannten Maschinentafeln der Turing-Maschinen. In diesen ist festgehalten, was die spezielle Maschine kann. Dazu denke man sich noch, daß die Maschine von einem Arbeitsband etwas lesen kann und gegebenenfalls auch darauf etwas schreiben kann. Eine Maschinentafel besteht dann aus mehreren Wenn-Dann-Sätzen:

Wenn die Maschine im Zustand Nr. x und auf dem Band das Zeichen y liest, dann soll sie in den Zustand z übergehen und das Arbeitsband mit dem Zeichen s beschreiben, sodann ein Schreibfeld nach links (oder eins nach rechts) rücken.

Meist werden in der Literatur dann Turing-Maschinen angegeben, deren Bänder nur mit Strichen und mit Leerzeichen in den Feldern beschrieben sind, deren Alphabet also nur aus 0 und l besteht, wenn 0 das Leerzeichen symbolisiert.

Die Aufgabe eines Programmierers besteht dann darin, zu einem bestimmten Problem eine Turing-Maschine zu bauen, die die Lösung des Problems automatisch auf das Band schreibt. Dabei ist vor allem an Probleme aus der Mathematik gedacht. Tabelle 3 zeigt eine solche Maschinentafel für alle, die es genau wissen wollen. Es ist eine gute Übung, selbst einmal als Turing-Maschine zu handeln und die Tafeln abzuarbeiten. Bild 4 macht einen Vorschlag für die praktische Arbeit. Bedenken Sie: Sie konstruieren die Maschine, indem Sie die Tafel aufstellen. Im Grunde programmieren Sie dabei. Das Ergebnis ist ein Algorithmus (eine Rechenvorschrift).

Geben Sie der Maschine nach Tabelle 3 ein Band vor, das zwei Strichfolgen enthält, die durch eine 0 getrennt sind. Dann setzen Sie die Maschine im Zustand 1 (den man von außen einstellen können soll) auf das Feld mit der ersten 1. Die Maschine wird dann automatisch die Summe der beiden durch Strichzahlen vorgegebenen Zahlen bilden und auf das Band schreiben. Bitte probieren Sie das unbedingt konkret durch; Sie bekommen dann einen genauen Begriff, wie die Computer im Prinzip arbeiten. Versuchen Sie auch selbst eine Turing-Maschinen-Tafel zu bilden, die bewirkt, daß eine zweite Zahl von einer ersten abgezogen wird. Es soll dabei vorausgesetzt werden, daß die zweite Zahl immer kleiner ist als die erste. Die Lösung finden Sie in Heft 3.

Colossus

Turing hat nicht nur an solchen abstrakten Maschinen gearbeitet, sondern im zweiten Weltkrieg auch am Bau richtiger Rechenmaschinen. Man sagt, daß die Arbeit des Teams, in dem er Mitglied war, sogar kriegsentscheidend war, weil es die deutschen Ver- schlüsselungs- Methoden mit Hilfe eines Computers namens Colossus gebrochen haben soll. Auf alle Fälle waren diese Arbeiten so wichtig, daß heute noch nicht alle Ergebnisse von der englischen Regierung zur Veröffentlichung freigegeben sind. Unabhängig von diesen europäischen Anfängen wurde in den Vereinigten Staaten ebenfalls mit immer mehr Nachdruck an Computern gearbeitet. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gab es sehr verschiedene Ansätze, die alle zeitlich etwas später kamen, aber dank der großen wirtschaftlichen Potenz dieses Landes dann mit großer Energie auch durchgezogen werden konnten. Vor allem wurden dort die technischen Voraussetzungen geschaffen, die heute zu immer kleineren Computern führen.

Der Transistor

Vor allem eine Erfindung hat die ganze Elektronik-Branche, also die Branche, die Produkte herstellt, in deren Innerem Elektronen gezielt in Bewegung gesetzt werden, zu der heutigen Blüte gebracht:

der Transistor. Wie Colossus waren auch die amerikanischen Rechner zunächst stromfressende Röhrenrechner. Nach der Erfindung des Transistors 1948 stand ein Bauteil bereit, das sehr viel weniger Energie und sehr viel weniger Platz bei gleicher Funktionalität benötigte. Der erste Transistorrechner hieß Tra-dic, er kam 1955 aus den Bell-Laborato-rien in den USA. Ein Meilenstein in der Miniaturisierung war dann 1959 die erste Auslieferung eines Integrierten Schaltkreises (IC) durch die Firma Texas Instruments, deren Mitarbeiter Jack Kilby (Bild 5) den Weg ersonnen hatte, auf dem man mehrere Transistorsysteme -und gleich richtig untereinander verbunden - auf einem Halbleiterkristall erzeugen konnte. Ab da ging es sozusagen dynamisch fort: Zwar war die berühmte PDP-8 noch ein weitestgehend transistorisierter Rechner (1964), aber die ersten Taschenrechner, deren weite Verbreitung dann indirekt Anstoß zur Erschaffung des Mikroprozessors gab, erschienen 1967 auf dem Markt, wobei die Firma Texas Instruments wieder die entscheidende Rolle spielte.

So entstand der Mikroprozessor

1968 wurde die Firma Intel mit dem Zweck gegründet, technologisch fortschrittliche ICs (Integrated Circuits) zu entwickeln und zu verkaufen. Zunächst wurde 1969 ein IC angeboten, das 1024 Bits (= 210 und deshalb ein Kilo-Bit genannt, kurz KBit) enthielt. Das war damals Weltrekord. Deshalb wohl knüpfte eine japanische Firma namens Busicom, beschäftigt mit der Herstellung klassischer elektronischer Tisch- und Taschenrechner, Kontakte zu Intel, um sehr hoch integrierte Schaltkreise von Intel fertigen zu lassen. Ein Intel-Ingenieur, Marcian Hoff, wurde zum beratenden Ingenieur bestimmt. Er war der Meinung, daß der Entwurf der Japaner zu komplex sei für eine ökonomische Fertigung und daß es besser sei, anstelle der speziell konstruierten Hardware (so nennt man in Kreisen der Eingeweihten die Komponenten eines Computers, die beim Rechnen den physikalischen Ablauf ertragen müssen) einen Baustein herzunehmen, der ganz nach der Logik der damaligen Mini-Computer aufgebaut wäre und der mit Programmen zusammen, also mit der Software, dieselbe Funktionalität erreichen könne, wie die von Busicom ursprünglich vorgeschlagenen Chips. Es war sicher ein recht komplizierter Prozeß, die Busicom-Inge-nieure davon zu überzeugen, daß dieser neue Gedanke zu einem guten Ergebnis führen würde. Letztendlich akzeptierte Busicom den Entwurf von Marcian Hoff. Er sollte später als der „4004"-Prozessor bekannt werden. Obwohl insgesamt 12 Bausteine (Chips genannt, weil sie von einer Siliziumscheibe nach der Fertigung abgetrennt werden) noch benötigt wurden, um einen voll funktionsfähigen Computer aufzubauen, war dieser Entwurf der erste Mikroprozessor-Entwurf, denn er enthielt alle Merkmale universeller Programmierbarkeit. Die vielen Vieren in seinem Namen stehen für vier Bit, weil der 4004 Gruppen von vier Bit als kleinste Einheit verarbeiten konnte.

Vier Bit benötigt man nämlich mindestens, um die zehn Ziffern des Dezimalsystems darzustellen (Tabelle l).

Die Geburt des Mikroprozessors

Daß die Geburt des Mikroprozessors nicht ganz leicht war, sieht man daran, daß erst ein neuer Mitarbeiter von Intel, der Mann, der später Zilog gründete, Frederico Faggin, zu Intel stoßen mußte, um den Entwurf auf den Chip zu bringen und ein funktionsfähiges IC daraus zu machen. 1971 erschien die erste Anzeige von Intel (Bild 6), die öffentlich die Verfügbarkeit des 4004 bekannt machte. 1972 waren für etwa 85 000 Dollar ICs verkauft. Die Firma Texas Instruments nimmt bei alledem für sich in Anspruch, ebenfalls einen 4-Bit-Prozessor in dieser Zeit auf den Markt gebracht zu haben, den TMS 1000. Tatsächlich lag das Konzept damals in der Luft und sicher sind Doppelentwicklungen aufgetreten, wie es auch in den Jahren um 1940 in vielen Industrieländern Ingenieure gab, die allgemein ein Konzept für „den Computer" in der Tasche hatten, unabhängig von den Kollegen. Deshalb sollte man nicht nur nach dem Erfinder des Mikroprozessors fragen.

Im nächsten Heft mehr übers Programmieren, über Basic und über den Sinn mancher Slang-Vokabeln.

Zeittafel Mikrocomputer

    1948 Erfindung des Transistors in den Bell-Laboratorien. Walter Brattain und William Shockley erhielten dafür später den Nobelpreis.

    1964 Entwicklung der Programmiersprache Basic. John G. Kemeny und Thomas E. Kurz wollten eine für Studenten leicht erlernbare Computersprache aufbauen (Beginners All Purpose Semantic Instruction Code).

    1971 Intel bringt den 4004-Prozessor, Preis: 200 Dollar.

    1972 Intel bringt den 8008, den ersten 8-Bit-Prozessor.

    Atari wird gegründet und bringt Bildschirm-Tennis. Intel bringt den 8080, eine sehr gelungene Entwicklung.

    1973 Der erste Selbstbaucomputer wird in den USA für ca. 500 Dollar angeboten, es ist der Bausatz Scelbi-8 H mit 1024 Byte Speichergröße.

    1974 Das erste Betriebssystem für Mikrocomputer, CP/M, von Gary Kildall entwickelt.

    1975 Der Mikroprozessor Z80 erscheint. Entwickler: Frederico Faggin, der eine eigene Firma, Zilog, gegründet hatte. In der amerikanischen Zeitschrift Populär Electronics erscheint die erste Bauanleitung, um einen 8080-Mikrocomputer aufzubauen. Es ist der berühmte Altair-8800, der die Aera der Hobby-, Heim- und Profi-Mikrocomputer einleitete. Mit Intel konkurrierende Halbleiter-Firmen bieten jetzt ebenfalls Mikroprozessoren an, so MOS Technology den 6502, zu wesentlich günstigeren Preisen als Intel. Zum Altair wird ein Basic entwickelt, womit der

    zweite Schritt zu den heutigen Mikrocomputern getan wird. Entwickler ist einerseits Bill Gates, späterer Gründer von Microsoft, und andererseits Paul Allen. MOS Technology kündigt den KIM-1 an, der weltweit zur Verbreitung der Mikrocomputerei beigetragen hat.

    1976 Die Mikrocomputerei wird zu einer breiten Bewegung, vornehmlich bei Technik-Freunden in den USA. Texas Instruments kündigt den ersten 16-Bit-Prozessor an. Apple Computer Inc. wird gegründet. Der erste preiswerte Massenspeicher aus dem Reich der Großcomputer, die Floppy-Disk, wird auf dem breiten Mikrocomputer-Markt angeboten (Kostenpunkt: über 1000 Dollar). In den USA werden die verschiedensten Computersysteme auf Platinen angeboten, die man selbst mit Tastatur und Gehäuse versehen muß. Die ersten kleinen Floppy-Lauf werke für 5,25-Zoll-Scheiben werden angeboten.

    1977 Microsoft-Basic mit Gleitkomma-Routinen

    erscheint. Der Apple-11 wird vorgestellt, ebenso der PET, der Personal Electronic Transactor, den Chuck Peddle für Commodore entwickelte. Der Apple-11 wurde technisch von Steve Wozniak und Steven Jobs entwickelt, die beide vorher in ihren Firmen keine Unterstützung für derartige Pläne erhielten. Radio Shack, eine amerikanische Elektronik-Firma, die über die Tandy-Ladenkette verfügt, bietet den TRS-80 an. Alle drei klassischen Mikrocomputer besitzen etwa vergleichbare Fähigkeiten, wobei der PET mit einer Spielzeug-Tastatur negativ aus dem Rahmen fällt.

    1978 Ein auf Mikrocomputern laufendes Schachprogramm (Sargon) gewinnt viele Turniere. UCSD-Pas-cal wird öffentlich vorgestellt. Atari bringt seine ersten Heimcomputer heraus, den Atari 400 und den Atari 800. Der PET erregt in Hannover auf der Messe Aufsehen.

    1979 In der Bundesrepublik wird die Mikrocomputer-Begeisterung größer und schwappt über die Studierstuben der Techno-Freaks hinaus. Alle großen US-amerikanischen Firmen bieten auch in der Bundesrepublik an. WordStar, das bisher erfolgreichste Textverarbeitungsprogramm, wird von Micropro für CP/M angeboten. Die ersten büro- und kommerz-orientierten Programme erscheinen, zum Beispiel VisiCalc als „Rechen-Tabellen-Programm" (Spread-sheet). Forth wird von einer Forth Interest Group öffentlich zum Nulltarif angeboten, um die Verbreitung der Sprache zu fördern. Die ersten größeren Mailboxen für elektronische Kommunikation werden in den USA gegründet. Texas Instruments kommt mit dem TI-99/4A, der trotz vieler Verbesserungen schon 1983 wieder eingestellt wird.

    1980 Der genialste Mikrocomputer des Jahres, der ZX-80, wird auf den Markt gebracht. Er ist ein extrem abgemagertes Billig-Produkt aus Großbritannien, das aber weltweit Erfolg erringt. Der Apple-111 wird unter Schmerzen geboren und wird sich wegen technischer Schwierigkeiten nicht durchsetzen. Festplattenspeicher (Winchester-Technologie) werden angeboten. Tandy bringt einen Heimcomputer und ein Model III, das erster ernst zu nehmender Vorläufer der PCs ist. Der Volks-Computer VC-20 von Commo-dore erscheint. Die Spielwelle beginnt in den USA auszuufern.

    1981 Adam Osborne, einer der verdienstvollsten Autoren aus der Frühzeit der Mikroprozessoren, gründet eine Computer-Firma und bringt den Osborne-1 auf den Markt, der preiswert ist und weltweit Anerkennung findet. Viele andere Firmen nehmen sich ein Beispiel und bringen ebenfalls preiswerte Profi-Computer für CP/M auf den Markt, was Osborne später in Schwierigkeiten bringt. IBM kommt mit dem lang erwarteten PC. Alle Welt hat darauf gewartet und akzeptiert willig diesen Computer als zukünftigen

    Standard, obwohl das Design zwar robust, aber nicht aufregend ist. MS-DOS, ein fortentwickeltes 8086-CP/M aus dem Hause Microsoft, wird durch IBM populär. In den USA wird der berühmte HX-20 von Epson als erster Aktentaschen-Computer angeboten und hat großen Erfolg.

    1982 Der erste Apple-II-Nachbau erscheint, in den USA. Intel hat die Prozessoren 8088 (im IBM-PC) und 8086 weltweit durchgesetzt und kündigt mit den Prozessoren 80186 und 80286 Fortentwicklungen an. Commodore bringt den C-64 heraus, ein Modell, das heute zu den verbreitetsten am Heim-Markt gehört. Die ersten IBM-Kompatiblen erscheinen in den USA.

    1983 Die Lisa von Apple erscheint. Der IBM-PC-Junior erscheint und wird ein Flop, der 1985 eingestellt wird. Unix V wird angekündigt. Tandy bringt den TRS-100, einen Hand-Held-Rechner mit eingebautem Modem (US-Version) und mit Textverarbeitung. Turbo-Pascal wird angekündigt. Es deutet sich an, daß der 16-Bit-Prozessor 68000 von Motorola ein Erfolg werden wird.

Während der ganzen betrachteten Zeit ist die Szene in der Bundesrepublik im wesentlichen durch späte Reaktionen auf den US-Markt geprägt. Viele kleine Firmen starten mit

einem kleinen Computerplatinchen etwa um 1978/79. Überlebt hat und in den Spezialmarkt der Universitäten eingedrungen ist zum Beispiel die Firma Eltec. Die Computerzeitschrift Chip wurde 1978 und mc 1981 gegründet. Die großen deutschen Firmen zögern mit dem Einstieg ins Mikrocomputergeschäft. Immerhin: 1985 gibt es recht viele IBM-Kompatible, so von Siemens, von Triumph Adler, von Nixdorf und anderen.

 

Bild 1. Konrad Zuse, ein deutscher Computerpionier
Bild 2. Die Rechenmaschine Z3
Tabelle 1. Die duale Zählweise eines Binärzählers
Bild 3. Zahlen mit Relais speichern
Tabelle 2. Gleitkomma Darstellung
Bild 5. Jack Kilby erarbeitete eine Methode, mit der man ICs erzeugen kann
Bild 4. So basteln Sie sich eine Turing-Maschine
Tabelle 3. Eine Turing-Tafel
Bild 6. Die Geburtsanzeige des Mikroprozessors im Jahr 1971
Spruch des Monats